Mythos: Der Seidenschwanz als Überbringer unheilvoller Nachrichten


Seidenschwanz (Bombycilla garrulus)

Schwarze Gesichtsmaske, nach hinten aufrichtbare Federhaube, am Schwanz ein breites gelbes Band, rote Hornplättchen an den Flügeln – ein fast tropisch anmutender Wintergast (© meine-kleine-stadtnatur.de)

Früher wurde der Seidenschwanz (Bombycilla garrulus) auch als Pestvogel bezeichnet, wie er in den Niederlanden heute noch heißt. In der Schweiz wird er auch Sterbevögeli genannt. Dabei trägt der buntgefiederte und recht zutrauliche Seidenschwanz diese Bezeichnungen zu unrecht. Die unheilvollen Namen stammen hauptsächlich aus mittelalterlichen Zeichen, als die Menschen annahmen, dass sein unberechenbares Auftreten ein Vorzeichen für Krieg, Hungersnöte oder gar die Pest sei.

Seidenschwanz (Bombycilla garrulus)

Seidenschwanz mit seiner winterlichen Lieblingsspeise der Vogelbeere (© meine-kleine-stadtnatur.de)

Der Seidenschwanz brütet hauptsächlich in den Wäldern von Skandinavien bis Ostasien. In Deutschland und Mitteleuropa ist er nur ein Wintergast. Je nach Nahrungsangebot und Witterung wandert er unterschiedlich weit nach Süden.  Meist finden sich dann in Parks und Waldgebieten oder Gärten größere Trupps dieser Vögel ein. Ihre bevorzugte Nahrung sind dabei die Beeren der Eberesche bzw. Vogelbeere (Sorbus aucuparia), welche sie trotz Größe und Gewicht akrobatisch zu pflücken wissen. Desweiteren ernähren sie sich im Herbst und Winter von Hagebutten, Mistelfrüchten und hängengebliebenen Obst. Im Sommer bevorzugen sie hingegen Insekten.

Die Seidenschwänze sind gesellig lebende Vögel, circa von der Größe eines Stares. Ihr Gefieder ist außergewöhnlich bunt. Das zarrte Rufen des Vogels besteht aus einer recht leisen Abfolge hoher Töne, welches an das Klingeln einer kleinen Uhr erinnert.

Seidenschwanz (Bombycilla garrulus)

Keine Beere ist noch so weit entfernt, dass der Seidenschwanz sie nicht erreichen kann – und sei es durch akrobatische Einlagen. (© meine-kleine-stadtnatur.de)