Stadtnatur – ON TOUR: Der Parsteiner See im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin


Honigbiene (Apis mellifica) auf einer Wiesen-Löwenzahnblüte (Taraxacum officinale) am Parsteiner See

Honigbiene (Apis mellifica) auf einer Wiesen-Löwenzahnblüte (Taraxacum officinale)

Zwischen Eberswalde und Angermünde befindet sich der wunderschöne Parsteiner See. Er entstand während der Eiszeit nördlich des Pommerschen Stadiums und liegt innerhalb des Choriner Endmoränenbogens. Seine geologische Einordnung erfolgt schwerpunktmäßig als Zungenbeckensee des Parsteiner Lobus. Der Parsteiner See erfüllt zudem die Kriterien eines Rinnen- und eines Toteissees.

Seine Fläche umfasst 1006 Hektar und seine Tiefe liegt bei etwa 30 Metern. Der Parsteiner See, auch als Parsteinsee bezeichnet, gehört zu den Klarwasserseen. Dadurch bietet er beim Schnorcheln oder gar Tauchen faszinierende Einblicke in die Unterwasserwelt der Süßgewässer. So kann man Unterwasserteppiche aus Armleuchteralgen (Chara vulgaris), Schilfrohrdickichte (Phragmitis australis), Hechte (Esox lucius), Maränen (Coregonus albula), mit viel Glück einen der bedrohten Steinbeißer (Cobitis taenia) entdecken oder auch mal eine Stockente (Anas platyrhynchos) von unten betrachten.

Sumpf-Dotterblume (Caltha palustris) am Parsteiner See

Sumpf-Dotterblume auf einer Feuchtwiese

An Land, insbesondere in der Uferzone, haben sich interessante und recht seltene, oftmals unter Naturschutz stehende, Pflanzengemeinschaften entwickeln können. Diese umfassen zum Beispiel das Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis), die Sumpf-Dotterblume (Caltha palustris) und die Silberdistel (Carlina acaulis).

Der Parsteinsee gehört zum Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin und genießt den Status eines Landschaftsschutzgebietes. Zusätzlich wurde er als Fauna-Flora-Habitat (FFH) „Parsteinsee“ in den Anhang der FFH-Richtlinie der Europäischen Union aufgenommen. Der besondere Schutzstatus des Sees und seiner Umgebung verdeutlicht sich im Vorkommen vieler verschiedener zum Teil sehr stark bedrohter Tierarten – ob zu Land, in der Luft oder im Wasser.

Trauerseeschwalben (Chlidonias niger) auf dem Parsteiner See

Trauerseeschwalben auf dem Parsteiner See

Ein Beispiel hierfür ist der über Jahrzehnte langsam gewachsene Bestand einer Trauerseeschwalbenkolonie. Die Trauerseeschwalbe (Chlidonias niger) gilt in Deutschland als vom Aussterben bedroht, weshalb sie auf der Roten Liste (Kat. 1) geführt wird.

Für diese Vogelart ist es mittlerweile fast unmöglich geworden, geeignete Nistplätze zu finden: Viele Feucht- und Überschwemmungsgebiete wurden entwässert und sind verlandet oder der Mensch trägt durch Störungen zur Verdrängung des Vogels bei. Um dies zu vermeiden wurde auf dem Parsteiner See für die kleine Brutkolonie eine Schutzzone eingerichtet. Generell begünstigt das Motorverbot auf dem See den Lebensraum der Trauerseeschwalbe.

Wer Lust an naturkundlichen Entdeckungen hat, kann auf einem Holzplankenpfad quer durch den Sumpf bis hin zum Vogelturm laufen und allerlei Beobachtungen machen.

– Nur ganz leise muss man sein.

Holzplankenpfad durch den Erlensumpf am Parsteiner See

Holzplankenpfad durch den Erlensumpf am Parsteiner See