Frau Elster – Singvogelmörderin? Gierschlund? Diebin?


Ein zu Unrecht verachteter und bejagter Vogel - die Elster (Pica pica) ©bagal/ pixelio

Wer kennt sie nicht, die Elster (Pica pica)?
Ein auffälliger schwarz-weißer Rabenvogel. Das Gefieder der Flügel von metallisch blaugrünem Glanz und mit einem langen fächerartigen Schwanz. Ihr durchdringender Ruf „Schackschackschack“ ist weithin zu hören. Mit diesem warnt sie vor Gefahren, sei es am Boden oder in der Luft. Elstern scheuen nicht davor zurück sich todesmutig in die Nähe ihrer Feinde zu begeben und diese zu vertreiben. Dabei ist Teamwork gefragt: Sie arbeiten als Paar zusammen. Ein Vogel lenkt ab und der andere attackiert oder stibitzt die Nahrung. Selbst Katzen, die sich zum Beispiel in Nestnähe aufhalten, werden nicht selten in den Schwanz gezwickt und so lange bedrängt, bis sie genervt das Weite suchen.

Elstern zählen zu den intelligentesten Vögeln der Welt ©simsala/ pixelio

Sobald die Vögel untereinander kommunizieren, erinnert ihr Gesang mit Pfeif- und Klicklauten an eifriges Geschwätz. Kommunikation zwischen Elstern ist sehr wichtig, da sie die meisten Dinge als Paar tun: Nahrungssuche, Nestbau und Aufzucht der Jungen. Hat sich ein Elsternpaar gefunden, bleibt es ein Leben lang zusammen, was bis zu 16 Jahre sein können.

Zeichnerische Darstellung der Elster auf einem Eichenast ©Bernd Sterzl/ pixelio

Interessant ist der Nestbau der Elster. Es handelt sich dabei um ein überdachtes Nest mit seitlichen Eingang, welches meist in Bäume gebaut wird. Das Dach dient als Schutz vor Greifen oder Krähenvögeln. Der Bau eines solchen Nests dauert mehrere Wochen. Meist bringt das Männchen trockene sperrige Zweige und das Weibchen verbaut diese kreuzartig nach außen abstehend. Die innere Nistmulde wird mit Erde, Blättern und Gräsern weich ausgekleidet.

Früher fanden Elstern in Feldfluren ihre Heimat, welche allerdings aufgrund der intensiven Landwirtschaft stark verändert wurden: Schützende Hecken wurden beseitigt, Grünland umgepflügt, Äcker geschaffen sowie Wegraine mit Unkrautvernichtungsmitteln vernichtet. Die Elster war deshalb und aufgrund von Bejagung gezwungen auf neue naturnahe, abwechslungsreiche Regionen auszuweichen. Neue positive Lebensbedingungen boten sich in den wachsenden Städten und urbanen Räumen.

Als Gruppe stark - Flügge Jungvögel der Elster (Pica pica) © Meine Kleine Stadtnatur

Dem Menschen gegenüber sind Elstern eher scheu. Dennoch behalten sie ihn gern im Auge und beobachten, was er tut. Schließlich wirft er nicht selten Dinge gedankenlos weg, welche für die Elster einen leicht erbeuteten Leckerbissen darstellen. Leider tragen Elstern häufig den Ruf Singvögel stark zu dezimieren, was nicht der Wirklichkeit entspricht. In städtischen Gebieten besteht ihre Nahrung gerade einmal aus 5-8 % Eiern oder Jungvögeln. Es konnte sogar nachgewiesen werden, dass in der Nachbarschaft von Elstern beispielsweise Amseln, Kohlmeisen, Buchfinken und andere Kleinvögel in höchsten Siedlungsdichten vorkommen und eine hohe Nachkommenzahl Verluste einzelner Jungvögel mühelos ausgleicht.

Hat die Elster Futtervorräte versteckt, findet sie diese zielsicher wieder ©gnubier/ pixelio

Allgemeinen Ansichten nach ist die Elster ein diebischer Vogel, welcher glitzernde Gegenstände stielt und in das Nest trägt. Dies entspricht weniger der Wirklichkeit. Die Elster ist ein sehr neugieriger Vogel, dessen Gehirn eines der höchst entwickelten in der Vogelwelt ist. Aus diesem Grund erkundet und untersucht sie spielend ihr Umfeld oder Gegenstände, welche herumliegen. Wird sie dabei gestört, fliegt sie davon und nimmt die Objekte ihrer Begierde schlichtweg mit. Elstern sammeln Nahrung und verstecken diese, ähnlich wie der Eichelhäher. Vergleichsweise ist es für Elstern ein Leichtes die versteckte Nahrung wiederzufinden. Aufgrund ihrer Intelligenz erkennen sie Artgenossen individuell. In unterschiedlichen Verhaltenstests hat sich gezeigt, dass Elstern beim Erkennen von Dingen oder sich selbst im Spiegel ein Verhalten vergleichbar mit Schimpansen und Orang-Utans an den Tag legen. Laut dem Verhaltensforscher Otto Koehler sind die cleveren Elstern sogar im Stande bis zu sieben Menschen zu unterscheiden.

Ein interessanter Vogel, welcher häufig im Stadtbild anzutreffen ist, jedoch viel zu sehr unterschätzt und verachtet wird. Vielleicht stellt es sich das nächste Mal, wenn man einen Moment der Ruhe hat, als spannend heraus die Elstern genauer anzusehen und zu beobachten. Die Beobachtung und das Interesse beruhen womöglich auf Gegenseitigkeit.

 

Fliegende Elster (Pica pica) - Gut zu erkennen das kontrastreiche metallisch schimmernde Gefieder ©Marion/ pixelio